impuls - gedanken zum sonntag


Impuls zum Palmsonntag, 5. April

 

von Pfr. Christoph Schuler

 

Heute feiern wir den Palmsonntag. Dieser Sonntag vor Ostern bildet das Tor zur Heiligen Woche. Vor mir liegt das Christkatholische Missale, Band II, Heilige Woche, Palmsonntag bis Ostern. Es enthält den ganzen liturgischen Schatz dieser Woche, in der wir Jesu Einzug in Jerusalem, das letzte Mahl mit seinen Jüngern am Hohen Donnerstag, seine Kreuzigung und Grablegung an Karfreitag und seine Auferstehung in der Osternacht und an Ostern feiern. Es ist eine dichte Woche, in der das Leben in seiner Gänze mit seinen Tiefs und Hochs an uns vorüber zieht.

 

An Palmsonntag hören wir im Gottesdienst jeweils die Evangelienlesung mit einem gesegneten Palmzweig in den Händen. Dieses Jahr wird es anders sein als sonst. Und doch können Sie Jesus beim heutigen Evangelium mit einem kleinen gesegneten Zweiglein empfangen. Sie werden es per Post bekommen als einziges materielles liturgisches Zeichen der diesjährigen Heiligen Woche. Es wird uns zugleich an den Mangel erinnern und an die Fülle des Segens, der uns im Weg der Heiligen Woche zuteil wird. Nicht der materielle Zweig, sondern die Haltung unseres Herzens lassen den Palmsegen in uns wirksam werden.

 

Lasst uns nun unsere Feier beginnen

 

A         Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

           

           Lasset uns beten.

Allmächtiger, ewiger Gott, dein Sohn, unser König und Erlöser, hat sich gebeugt unter die Schmach des Kreuzes. Hilf, dass wir ihm nachfolgen auf dem Weg des Leidens und Anteil erlangen am Triumph seiner Auferstehung. Durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Dieses zeitlose Tagesgebet aus unsere Liturgie nimmt mit „dem Weg des Leidens“ eine Erfahrung auf, die ganz unverhofft auch die unsrige geworden ist. Gerade die Menschen, die zur sogenannten Risikogruppe gehören, können mit Jesus sicher besonders nachfühlen, seine Einsamkeit am Kreuz, sein Gefühl des Verlassen seins, seine Ängste. Doch dies wird am Palmsonntag erst angedeutet und findet seinen Ort an Karfreitag. Heute geht es um den Einzug von Jesus in Jerusalem.

 

In unserem Gebet- und Gesangbuch (CG) findet sich dazu ein Lied, das Kinder und Erwachsene gerne singen: „Jesus zieht in Jerusalem ein. Hosianna.“ (CG 638). Es drückt die Freude der Leute aus, welche diesen Jesus sehen, in den sie so viele unterschiedliche Hoffnungen haben. Singen Sie doch mit!

 

1.    Jesus zieht in Jerusalem ein. Hosianna. Alle Leute fangen auf der Strasse an zu schrein: Hosianna, Hosianna, Hosianna in der Höh.

2.    Jesus zieht in Jerusalem ein. Hosianna. Seht, er kommt geritten, auf dem Esel sitzt der Herr: Hosianna, Hosianna, Hosianna in der Höh.

3.    Jesus zieht in Jerusalem ein. Hosianna. Kommt und legt ihm Zweige von den Bäumen auf den Weg: Hosianna, Hosianna, Hosianna in der Höh.

 

Dieses Lied, 1968 von Gottfried Neubert gedichtet und vertont, nimmt den Gedanken der Freude auf, welche wir empfinden, wenn wir Jesus begegnen. Unsere Freude ist an diesem Sonntag in diesem Jahr eine innerliche. Doch sie ist kraftvoll, besonders wenn wir alleine oder zu zweit oder in einer Gruppe Psalm 126 beten, der so gut zur diesjährigen Kampagne der kirchlichen Hilfswerke, unter ihnen Partner sein, passt. Das Thema ist „Gemeinsam für eine Landwirtschaft, die unsere Zukunft sichert“. Er wird im Wechsel (I und II) gesprochen. Die Antiphon, welche ihn einrahmt, wird gemeinsam gesprochen (A):

 

A Von Tränen zum Jubel führe uns HERR!

 

I Als der HERR das Geschick Zions wendete, / da waren wir wie Träumende.

 

II Da füllte sich unser Mund mit Lachen / und unsere Zunge mit Jubel.

 

I Da sagte man unter den andern Völkern: / Gross hat der HERR an ihnen gehandelt!

 

II Ja, gross hat der HERR an uns gehandelt. / Da waren wir voll Freude.

 

I Wende doch, HERR, unser Geschick / wie die Bäche im Südland!

 

II Die mit Tränen säen, / werden mit Jubel ernten.

 

I Sie gehen, ja gehen und weinen / und tragen zur Aussaat den Samen.

 

II Sie kommen, ja kommen mit Jubel / und bringen ihre Garben ein.

 

A Von Tränen zum Jubel führe uns HERR!

 

Nehme Sie doch den Fastenkalender der kirchlichen Hilfswerke „Ich ernte, was ich säe“ nochmals zur Hand (Sie finden ihn auch im Internet: https://sehen-und-handeln.ch/fuer-pfarreien-und-kirchgemeinden/fastenkalender/ ) und meditieren Sie das schöne Bild zu Palmsonntag, 5.4.20.

 

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Ist ihnen aufgefallen, wie aktuell das Bild ist? Vom Coronavirus hat die Arbeitsgruppe, die im letzten Sommer und Herbst den ökumenischen Fastenkalender entworfen hat, noch nichts wissen können, als sie einen menschenleeren Feldweg ausgewählt hat, um den Bibelvers „Sie nahmen Palmzweige, zogen hinaus, um Jesus zu empfangen“ (Johannes 12,13) zu illustrieren.

 

Lesen wir das heutige Evangelium. Der Text stammt aus Johannes 12, 12-19.

 

Jesu Einzug in Jerusalem:

 

12 An jenem Tag hörte die grosse Volksmenge, die sich zum Fest eingefunden hatte, Jesus komme nach Jerusalem. 13 Da nahmen sie Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen, und riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels! 14 Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf - wie es in der Schrift heisst: 15 Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt; er sitzt auf dem Fohlen einer Eselin.

16 Das alles verstanden seine Jünger zunächst nicht; als Jesus aber verherrlicht war, da wurde ihnen bewusst, dass es so über ihn geschrieben stand und dass man so an ihm gehandelt hatte. 17 Die Menge, die bei Jesus gewesen war, als er Lazarus aus dem Grab rief und von den Toten auferweckte, legte Zeugnis für ihn ab. 18 Eben deshalb war die Menge ihm entgegengezogen, weil sie gehört hatte, er habe dieses Zeichen getan. 19 Die Pharisäer aber sagten zueinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; alle Welt läuft ihm nach.

  

Der Evangelist Johannes verbindet den konkreten und sichtbaren Einzug Jesu in Jerusalem mit einem zurückliegenden Ereignis, der Auferweckung des Lazarus. Dieses findet sich kurz vorher im Kapitel 11, Verse 1-45. Den Text haben wir teilweise letzten Sonntag gelesen, sie finden ihn im Impuls zum Passionssonntag, dem 29.03.20. Wenn Sie eine Bibel zur Hand haben und die nötige Zeit, so lesen Sie doch den ganzen Text im Verlauf der Woche noch einmal nach.

 

In den Versen 12 – 15 wird das primäre Ereignis erzählt, wie Jesus von der Volksmasse als der König Israels empfangen wird. Lesen Sie diese Verse nochmals durch. Was spricht Sie am meisten an?

 

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Für mich ist es das „Fürchte dich nicht“, weil es Hoffnung macht. Wer mit Jesus unterwegs ist, das ist die Botschaft des Textes und des Bildes, muss keine Angst haben. Was für ein König Jesus auch immer ist,

er kann die Menschen dazu begeistern, mit ihm durchs Leben zu gehen. „Fürchte dich nicht“, ist daher auch mir und allen Christgläubigen zugesprochen.

 

In den Versen 16 – 18 wird auf die Auferweckung des Lazarus verwiesen. Wirklich verstanden haben die Jünger damals nicht, als Jesus einen Toten zum Leben erweckt hat. Erst nach Ostern sind ihnen die Augen aufgegangen, als Jesus selber aus dem Grab heraus auferstanden ist. Dies wird verstärkt durch den letzten Vers 19, der uns wieder in die Gegenwart zurückführt. Die „Experten“ der damaligen Zeit, die Pharisäer, können auch nicht einordnen, was passiert. Sie sehen nur einen Menschen, dem alle nachlaufen, und nicht den Gottessohn, der Menschen zu einem neuen Leben erweckt. Doch das ist unsere Hoffnung, dass wir neu werden, wenn wir Jesus auf seinem Weg durch die Heilige Woche folgen. Jesus wird verherrlicht, und wir haben Anteil an dieser Herrlichkeit. So leuchtet die Freude der Auferstehung schon am heutigen Sonntag auf, auch wenn viele noch nicht verstehen.

 

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Wenn Sie gerne singen, so wenden Sie sich doch dem Lied „Singt dem König Freudenpsalmen“ (CG 637) zu, das aus dem 17. / 18. Jahrhundert stammt. Vielleicht spielen Sie ein Instrument und erfreuen sich zuerst an der Melodie.

 

Die fünfte Strophe endet mit dem Text: „Menschenkinder, all zusammen, preist des Königs Herrlichkeit; alle Engel, sprechet: Amen mit der ganzen Christenheit.“ Wenn wir örtlich getrennt, aber miteinander beten, biblische Texte lesen und sie meditieren, merken wir, dass wir nicht alleine sind. Die ganze Christenheit überzieht unseren Planeten. In jeder Ecke dieser Erde wird Gott angebetet. Daher lade ich Sie nun ein, unseren Glauben zu bekennen, heute mit den Worten des Berner Pfarrers Kurt Marti:

 

Ich glaube an gott, der liebe ist, den schöpfer des himmels und der erde.

Ich glaube an jesus, sein mensch gewordenes wort, den messias der bedrängten und unterdrückten, der das reich gottes verkündet hat und gekreuzigt wurde deswegen, ausgeliefert wie wir der vernichtung des todes, aber am dritten tag auferstanden, um weiter zu wirken für unsere befreiung, bis dass gott alles in allem sein wird.

Ich glaube an den heiligen geist, der uns zu mitstreitern des auferstandenen macht,

zu brüdern und schwestern derer, die für gerechtigkeit kämpfen und leiden.

Ich glaube an die gemeinschaft der weltweiten kirche, an die vergebung der sünden, an den frieden auf erden, für den zu arbeiten sinn hat und an die erfüllung des lebens über unser leben hinaus. Amen.

 

Kurt Marti hat sein Glaubensbekenntnis ein „nachapostolisches Bekenntnis“ genannt. Es ist der Glaube der Menschen, die heute im Hier und Jetzt leben. Es drückt den Glauben der Kirche, sie finden ihn im CG unter der Nummer 107, in persönlichen Worten, eben in jenen von Kurt Marti aus. Als Christin, als Christ müssen wir in der Lage sein, andern Menschen zu sagen, was wir glauben, für was wir einstehen, was uns wichtig ist. Dies kommt auch zum Ausdruck, wenn wir in den Fürbitten den Blick in die Welt weiten.

 

Zum Abschluss der ökumenischen Kampagne 2020 beten wir die vorgeschlagenen Fürbitten zum Thema „Gemeinsam für eine Landwirtschaft, die unsere Zukunft sichert.“

Nach jeder Bitte werden wir einen Moment still.

 

A        Wir rufen zu Gott, unserm Herrn, und beten für den Frieden der Welt und das Heil aller Menschen.

 

L        Gott, Schöpferin des Lebens,

wir bitten dich für die Menschen,

die sich um unsere Ernährung kümmern.

 

L        Gott, Hüterin der Welt,

wir bitten dich für die Frauen und Männer,

die Sorge tragen zu ihrem Land, ihren Tieren, ihrem Saatgut.

           

L        Gott, Spenderin der Freude,

wir bitten dich für die Ausgelassenen,

lass sie in ihrer Fröhlichkeit Verantwortung tragen für die Welt.

 

L        Gott, Trösterin der Traurigen,

wir bitten dich für die Hoffnungslosen,

die Land und Existenz verloren haben an hiesige Grosskonzerne.

 

L        Gott, Wächterin der Zukunft,

wir bitten dich für die Achtsamen,

dass sie gehört werden in unserer lauten Welt.

 

A        Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Zum Abschluss sind Sie eingeladen, die letzte Strophe unseres Eingangsliedes CG 638 zu singen oder zu sprechen:

 

5.    Jesus zieht in Jerusalem ein. Hosianna. Kommt und lasst uns bitten: „Zieh, Herr Jesus, bei uns ein.“ Komm, Herr Jesu, komm, Herr Jesu, komm, Herr Jesu, auch zu uns.

 

Wir beenden unsere Feier mit dem Segen:

 

Es segne und bewahre mich/uns der Herr, unser Gott, Er schenke mir/uns seine Liebe, seinen Frieden und sein Heil, + der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen

 

Danke, dass Sie an diesem Sonntag mit uns gebetet, gesungen und meditiert haben. Nächsten Sonntag führt Sie Pfarrerin Anna Marie Kaufmann durch die Gebete und Texte des Ostersonntags.

 

Erlauben Sie mir noch einen Nachtrag.

Heute ist niemand bei Ihnen mit dem Kollektenkorb vorbei gekommen. Vergessen Sie aber die Sammlung des christkatholischen Hilfswerkes Partner sein nicht. Hier die Angaben für eine Überweisung: IBAN: CH32 0900 0000 2501 0000 5, Partner sein, Hilfswerk der Christkatholischen Kirche der Schweiz, Postkonto 25-10000-5, BIC: POFICHBEXXX, Postfinance, Biel. Oder direkt online über die Homepage von Partner sein: https://www.partner-sein.ch/de/partner-sein-ihre-spende

Danke für ihre Unterstützung!!! 



Hier finden Sie die Texte zum runterladen: